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Von der Flucht in den Job – Erfolgsprojekt GiA

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Frau H. aus Teheran hatte es nicht leicht. Eine zehnjährige Karriere in einer iranischen Firma für Hochleistungstransformatoren stand mit ihrer Flucht 2015 wieder ganz am Anfang.

„Ich fühlte mich anfangs wie eine Analphabetin“, sagte 38-Jährige auf einer Pressekonferenz der Wirtschaftsförderung Tempelhof-Schöneberg für das Modellprojekt „Geflüchtete in Arbeit“. Die Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg, Angelika Schöttler, und stellvertretende GFBM-Geschäftsführerin Silke Gmirek besuchten sie in diesem Rahmen bei ihrem neuen Arbeitgeber INDIA-Dreusicke Berlin, dem führenden Hersteller der Gehäuse für Fritzboxen auf dem europäischen Markt.

Die gelernte Werkzeugmacherin H. absolvierte im Iran ein duales Studium in Maschinebau und stieg dann über die Qualitätskontrolle zur Sales Managerin auf. In Deutschland angekommen, musste sie zunächst die Sprache lernen und nach einem geeigneten Einstieg suchen. Bei beidem half das Projekt „Geflüchtete in Arbeit (GiA)“.

Dank GiA ist Frau H. heute bei INDIA-Dreusicke Berlin in der Qualitätssicherung in einer verantwortungsvollen Position angestellt. Ihre Freigabe entscheidet, was gefertigt wird. Gleich zu Beginn ihres Erfahrungsberichtes dankt Frau H. ihrer „Lernarchitektin“ Susann Schmidtke, die das Modellprojekt „Geflüchtete in Arbeit“ koordiniert. Ohne „Kümmerer*innen“ wie sie wäre das Projekt nicht so erfolgreich, wie es heute ist.

„Wir sind immer erreichbar – für die Teilnehmer*innen und die Unternehmen. Im Rahmen des Sprachtutoriums frischen wir auch mal fehlende Mathe- und Physikkenntnisse auf. Wir helfen im Einzelcoaching zudem bei persönlichen Sorgen und unterstützen die Unternehmen zum Beispiel durch Schulungsangebote und bei auftretenden Fragen im Integrationsprozess“, so Schmidtke.

Thomas Dreusicke – INDIA-Dreusicke Berlin, Angelika Schöttler – Bezirksbürgermeisterin Berlin Tempelhof Schöneberg, Silke Gmirek – GFBM, Frau H.

Thomas Dreusicke – INDIA-Dreusicke Berlin, Angelika Schöttler – Bezirksbürgermeisterin Berlin Tempelhof Schöneberg, Silke Gmirek – GFBM, Frau H.

Thomas Dreusicke erklärt, er als Unternehmer sei natürlich insbesondere daran interessiert, dass neue Mitarbeiter*innen zu ihnen passen. „Punkt eins ist die Sprache“, sagt Dreusicke, „und dann kommen die Soft Skills“, denn Kommunikation sei der Schlüssel für alles. Das Unternehmen bildet auch aus und sucht über das Projekt noch geeignete Kandidat*innen.

Motivierte Teilnehmer*innen wie Frau H. schaffen den Einstieg mittels der geschaffenen Strukturen durch GiA und der Hilfe direkt in den Unternehmen.

„Ich habe tolle Kollegen, die mir vor allem mit der Sprache sehr geholfen haben. Jetzt ist mein Deutsch viel besser und ich habe mir Vorlagen für E-Mails geschaffen“, sagt Frau H., die ihre Vorerfahrungen und -qualifikationen nun durch ihr deutlich verbessertes Deutsch nahezu unabhängig in ihren neuen Aufgabenbereichen einbringen kann.
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Im Bezirk an einem Strang ziehen

Die Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler sieht sich in einer Doppelfunktion: Ihre Schwerpunkte lägen sowohl auf der Integration von Geflüchteten und als auch auf der Wirtschaftsförderung, weshalb vor zwei Jahren die Idee entstanden sei, GiA mit der GFBM ins Leben zu rufen. „Es wird allgemein schwieriger für Unternehmen, Fachkräfte und Auszubildende zu finden. Mit den Geflüchteten haben wir eine neue Gruppe, die ja in Teilen eine gute Schulbildung mitbringen und die im Moment dabei sind Deutsch zu lernen. Also fragten wir uns, was können wir machen, damit wir diese Zielgruppe für Unternehmen erschließen?“, schildert Schöttler die Situation. Mit der GFBM habe das Bezirksamt eine Partnerin gefunden, mit der es gemeinsam Lösungswege erarbeiten könne. Ziel war die Schaffung von nachhaltigen Strukturen, die langfristig zum Erfolg führen und nicht nur zu kurzfristig schönen Statistiken. „Wir sind mit dieser Struktur goldrichtig“, so Schöttler. Da es letztlich das Ziel sei, allen jungen Menschen eine Perspektive zu schaffen, ist es angedacht, das Modell GiA zukünftig auch auf andere Zielgruppen auszuweiten.

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24 Unternehmen beteiligen sich an der Kooperation, allein letztes Jahr kamen zehn neue dazu. „Geflüchtete in Arbeit“ hat bisher fünfzehn Menschen erfolgreich in Arbeit oder Ausbildung vermittelt. Die Betriebe sind größtenteils im gewerblich-technischen und personenbezogenen Dienstleistungsbereich angesiedelt.

„Aber auch Teilnehmer*innen, die nur in der ersten Phase dabei sind, gehen nicht mit leeren Händen, sondern mit einer Perspektive“, sagte Silke Gmirek. 27 Teilnehmer*innen fanden einen Studienplatz oder gingen in Sprachkurse, 17 begannen eine Qualifizierung, zum Beispiel in Form einer Umschulung und vierzehn wechselten in andere Projekte, die beispielsweise auf soziale Berufe vorbereiten. Mit insgesamt 285 Geflüchteten aus ganz Berlin haben die Lernarchitekt*innen der GFBM Gespräche mit konkreten Perspektivplanungen geführt.

GiA geht ab sofort in den dritten Durchlauf und es gibt noch freie Plätze für Geflüchtete aus allen Berliner Bezirken.

Mehr zum Projekt „Geflüchtete in Arbeit“ erfahren Sie hier.