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Digitalisierung der Arbeitswelt – Wo bleibt die Beschäftigungsförderung?

Kommentar von Silke Gmirek,
stellv. Geschäftsführerin GFBM gGmbH

Alles wird vernetzt und digitalisiert. Smarte Kommunikation hat im Alltag unserer Gesellschaft längst Einzug gehalten. Systeme künstlicher Intelligenz, neue digitale Technologien und adaptive Schnittstellengeräte prägen die Arbeitswelt und das soziale Miteinander. Dies führt zwangsläufig zu neuen Arbeitsanforderungen. Das lebenslange Lernen rückt stärker in den Fokus und stellt die Konzepte der Grund-, Aus- und Weiterbildung auf den Prüfstand.

Im Bereich der Beschäftigungsförderung findet dieser Diskurs jedoch nicht wahrnehmbar statt. Nehmen wir die Veränderungen des Arbeitsmarktes vor dem Hintergrund der Digitalisierung in den Blick, ist der Schluss zulässig, dass wir unter den jetzigen Bedingungen einem Großteil der Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt keine nachhaltige Perspektive für eine gesellschaftliche (digitale) Teilhabe bieten können. Dabei bietet Digitalisierung auch für die Arbeitsförderung enorme Vorteile. Alternative Arbeitszeit-Modelle, ortsunabhängiges oder die orts- und zeitunabhängige Kommunikation sind nur einige Beispiele. In dem Maße, wie sich Unternehmen auf Prozesse der Digitalisierung einlassen, müssen auch Langzeitarbeitslose und Geringqualifizierte vorbereitet werden. Das macht eine systematische und vor allem beschäftigungsbegleitende Qualifizierung der Arbeitssuchenden notwendig. Die dabei entstehenden hohen Investitionskosten auf Seiten der Bildungs- und Beschäftigungsträger müssen finanzierbar sein und sich möglichst schnell amortisieren.

Wenn die Arbeitsmarktpolitik den aktuellen Entwicklungen Rechnung trägt, muss sie in Folge die Instrumente der Beschäftigungsförderung wieder mit Qualifizierungsangeboten koppeln und die Förderung der digitalen Kompetenzen systematisch in den Fokus nehmen. Andernfalls wird sich die Schere zwischen „Gewinnern“ und „Verlierern“ am Arbeitsmarkt weiter öffnen. Wir brauchen mutige und innovative Instrumente und Konzepte, die die Herausforderungen nicht nur aufnehmen, sondern die Zukunft der Arbeitswelt 4.0 mitbestimmen, damit auch Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt adäquate Perspektiven für eine gesellschaftliche (digitale) Teilhabe entwickeln können. Wann also wird sich auch die Arbeitsmarktpolitik dieser Thematik offensiv annehmen und ausreichend finanzierte Instrumente schaffen, um auch diesen Teil der Bevölkerung im Prozess der Digitalisierung der Arbeitswelt mitzunehmen?

Silke Gmirek

stellvertretenden Geschäftsführerin GFBM gGmbH